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Birkenpech
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THEMA: Birkenpech
#186
captainplanet
Bauer
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Geschlecht: männlich Ort: Trofaiach Geburtstag: 20.06.1981
Birkenpech 17.10.2009 01:12 Karma: 5
Heute habe ich zum ersten Mal versucht Birkenpech herzustellen und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Ich habe mehr Pech als erwartet herausbekommen und die Eigenschaften von dem Zeug sind auch wie sie mir beschrieben wurden (was ich mir eigentlich nicht vorstellen konnte als ich das Rohdestillat zum ersten Mal sah.)
Damit Pfeile zu befiedern ist allerdings eine Wissenschaft für sich, vor allem wenn die Federn leicht gebogen sind und die Raumtemperatur so hoch ist daß das Pech nur sehr zäh, aber nicht steinhart wird. Mein erster Birkenpechpfeil hat jedenfalls optisch noch Potential, drum zeig ich ihn hier nicht.
Ich habe auch die Spitze damit geklebt (mittelalterliche Tülle), bin gespannt wie gut das hält.

Mfg Georg
 
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Letzte Änderung: 17.10.2009 01:18 von captainplanet.
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#187
Stamperl
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Geschlecht: männlich Ort: Kissing bei Augsburg Geburtstag: 22.04.1978
Aw: Birkenpech 17.10.2009 10:54 Karma: 4
Sehr schön!!!
Wie genau hast du es hergestellt? Ich mein, ich weiß, das im Internet einige Seiten gibt, wo man eine Beschreibung findet,
aber deine persönliche Erfahrung würd mich jetzt schon interessieren.

Beste Grüße, Stamperl.
 
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#188
captainplanet
Bauer
Beiträge: 32
graphgraph
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Geschlecht: männlich Ort: Trofaiach Geburtstag: 20.06.1981
Aw: Birkenpech 17.10.2009 13:09 Karma: 5
Aber gerne!

Ich besitze zwei Metallgefäße die sehr gut ineinander passen und relativ dicht sind, vor allem wenn man das obere beschwert. Dadurch habe ich mir die Abdichterei mit Lehm erspart. Das untere ist eine leere Katzenfutterdose und das obere ein verschraubbarer Metallbehälter den ich mal im Sperrmüll gefunden habe. Er faßt etwa einen Liter und ich habe keine Ahnung was seine ursprüngliche Funktion war.

In diesen Schraubbehälter habe ich soviel Birkenrinde gestopft wie nur irgend möglich und als Sieb habe ich einfach Draht zu einem Knäuel gewuzelt und dieses hinter dem Schraubdeckel(der praktischerweise schon ein Loch hatte) plaziert.
Dann habe ich das eingegraben wobei ich sicherheitshalber die Stelle wo die beiden Gefäße aneinanderstoßen auch noch knapp mit Erde bedeckt habe und Feuer gelegt.

Das Destillat das sich in der unteren Dose gesammelt hat war ausgesprochen dünnflüssig. Nächstes Mal werde ich die Rinde besser trocknen oder noch besser unten ein zweites, kleineres Doserl reinstellen für das Pech während der Wasserdampf hoffentlich bevorzugt an der kalten Wand der äußeren Dose kondensiert. Dann wäre das Eindicken wesentlich einfacher.

Beim Eindicken entfernt man langsam die flüchtigen Bestandteile des Pechs bis die Konsistenz wunschgemäß ist. Es stinkt fürchterlich. Ich habe es in der Werkstatt über einem Sprituskocher bei offenem Fenster gemacht, aber das war fast zu wenig der Lüftung. Ich mußte einige Male das Feld räumen bis man wieder einigermaßen frei atmen konnte. Der konzentrierte Gestank raubt einem den Atem (es ist nicht ekelhaft, aber man spürt richtig daß das nicht gesund sein kann), aber wenn sich nur wenige Dampfschwaden bis ins Haus verirren machen sie dort einen angenehmen Geruch der mich an Weihrauch erinnert.
Angeblich ist es für das Pech tödlich wenn man es zu sehr erhitzt, man muß aufpassen daß es immer nur leicht brodelt und keinesfalls aufschäumt. Mir ist das zum Glück nicht passiert.
Man gibt während des Einkochens immer wieder kleine Tropfen auf ein Stück Holz und testet die Konsistenz wenn sie ausgekühlt sind. Wenn das Pech noch Fäden zieht kann man es unbesorgt noch länger köcheln lassen, zieht es keine Fäden mehr nähert man sich schon langsam dem Ende. Wenn man das Pech zu lange eindickt wird es spröde. Ich vermute aber daß sich auch solches Pech noch retten läßt indem man es einfach beim nächsten Mal zum Rohdestillat mischt.
Die Aufbewahrung des Pechs ist so eine Sache: Es ist zwar scheinbar fest, aber es fließt wenn auch nur sehr langsam. Wenn man es irgendwo hinlegt klebt es nach ein paar Stunden fest. Ich habe das Pech mit Holzkohlenpulver gestreckt, aber ganz habe ich das Problem so auch nicht in den Griff bekommen. Ich könnte natürlich noch mehr Kohlepulver druntermischen, ich habe aber Angst daß dann die Qualität leidet. Ich habe jetzt versuchsweise ein kleines Stück in leinölimprägniertes Leder eingeschlagen, das scheint ganz gut zu klappen.

Das Pech ist bei Raumtemperatur hart und zäh, wenn man hinlangt merkt man aber daß es klebrig ist. Man kann es nur durch die Wärme der Hand wie Plasilin formen. Wenn man ein kleines Stück zwischen den Fingern wuzelt kann man auch schon eine klebfähige Konsistenz erreichen. Wenn es sehr kalt ist ist es spröde. Ich schätze daß die maximale Festigkeit bei etwa 10 - 15°C liegt. Diesen Wert kann man aber durch längeres oder kürzeres Eindicken variieren.

Georg
 
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Letzte Änderung: 17.10.2009 13:15 von captainplanet.
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#190
captainplanet
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Geschlecht: männlich Ort: Trofaiach Geburtstag: 20.06.1981
Aw: Birkenpech 19.10.2009 17:06 Karma: 5
Hier mein erster herzeigbarer Pechpfeil: Spitze (Bodkin, selbstgeschmiedet) und Federn nur mit Pech geklebt.

Wenn man kein Befiederungsgerät hat klebt man die Federn am besten indem man sie in eine Klammer (zwei Holzleisten, an einem Ende zusammengeleimt) legt und kurz an das leicht erwärmte (Anhauchen genügt) Pech drückt.

Als Spitzenkleber steht das Pech modernem Heißkleber den ich sonst verwende zwar etwas nach, aber es hält trotzdem sehr gut. Ich habe mit dieser Spitze auf einen massiven Holzbalken geschossen und konnte (ohne hin und herruckeln, nur durch Zug) den Pfeil samt Spitze einmal herausziehen, beim zweiten Mal blieb die Spitze im Holz und ich mußte mit der Beißzange anrücken.

Als nächstes möchte ich weiße Federn auf Pech kleben, das gibt sicher einen interessanten Kontrast.

Georg

 
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#191
Stamperl
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Aw: Birkenpech 19.10.2009 17:58 Karma: 4
Gefällt mir wirklich sehr gut.Klasse und Danke für deinen Beitrag. Mal schauen, wann ich das in Angriff nehme, das kann noch dauern.

Ich hab auch noch n Tipp:
Als ich noch kein Befiederungsgerät hatte, hab ich mir 2 Geodreiecke und zwei Wäscheklammern genommen und geklebt, ging auch gut.
 
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#192
captainplanet
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Aw: Birkenpech 20.10.2009 19:53 Karma: 5
Hab noch einen gebaut, diesmal mit helleren Federn(2x Schwan, 1x Bussard) damit man nicht nur Schwarz sieht. Die Spitze ist außerdem etwas gemeiner als oben.
Die fließenden Übergänge zwischen dem schwarzen Pech und dem weißen Holz sind entstanden als ich den Pfeil mit Bienenwachs imprägnierte, das Benzin das ich als Lösungsmittel verwende hat auch das Pech angelöst. Nächstesmal werde ich da etwas sauberer arbeiten müssen.
Und bei diesem hier sag ich einfach es war Absicht.





 
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